Kommentar: Pressemitteilung des ADAC zu Verkehrstoten 2018 und seiner Skizzierung einer Strategie bis 2030


Als wir die Pressemitteilung des ADAC zur Bilanz von Verkehrstoten in 2018 und die Skizzierung der Strategie zu deren Verminderung bis 2030 vom 27.12.2018 lasen, waren wir verwundert und enttäuscht.


Anscheinend kann man die Sicherheit der KFZ-Fahrenden momentan nicht weiter erhöhen.


Für uns liest es sich so, als ob der ADAC, aufgrund von Stagnation in der technischen Weiterentwicklung der Sicherheit in KFZ, ein Hintergrundrauschen von ca. 3000 Verkehrstoten im Jahr weiterhin akzeptieren wird.
Wie man anhand der Statisik über die vergangenen Jahre sehen kann, tendiert die Zahl der Unfalltoten in KFZ in den letzten Jahren gegen diesen Wert, und hat das Plateau möglicherweise schon erreicht (Quelle: VCD)

Die Anzahl der im Verkehr getöteten scheint sich bei einem Wert um die 3000 einzupendeln.


Anstieg der absoluten Zahl getöteter Radfahrer bei allgemeiner Zunahme des Radverkehr-Anteils


Der ADAC spricht in seiner Pressemitteilung an, dass die Anzahl getöteter Radfahrender zunimmt (geschätzt werden 400 – Quelle: Heise Online). Wenn man sich die Statistik der letzten Jahre aber genau ansieht, ist es fraglich, ob man überhaupt von einem langfristigen Anstieg zu sprechen kann, denn in den vergangenen 8 Jahren pendelte der Wert bereits länger um die 400. Bemängeln könnte man an dieser Stelle auch, dass der ADAC nicht darauf eingeht, dass die Anzahl der Radfahrenden und der mit dem Rad zurückgelegten Wege in den letzten Jahren kontinuierlich zunimmt (Die Summe der geradelten Personenkilometer stieg seit 2008 um etwa ein Fünftel – Quelle: Kurzreport Mobilität in Deutschland 2018). Wir würden es daher begrüßen, eine Umrechnung auf Tote pro Personenkilometer zur Hilfe zu nehmen, da der Anstieg so berücksichtigt werden würde.
Könnte ja sein, dass Fahrradfahren gar nicht gefährlicher geworden ist, sondern dass einige Autofahrer, die aufs Fahrrad umstiegen, zu Opfern wurden


Die Anzahl der getöteten Radfahrer außerorts bleibt gleich, innerorts ist eine Zunahme zu erkennen


Im Folgenden möchten wir das Augenmerk darauf richten, dass man anhand der oben genannten Veröffentlichung des VCD sieht, dass die Anzahl der Verkehrstoten im Radverkehr über die letzten 8 Jahre ausserorts stagniert, nur innerorts gibt es den vom ADAC beschriebenen Anstieg.
Da der ADAC anscheinend bestrebt ist, die absolute Zahl an Todesopfern zu verringern (was an sich natürlich löblich ist), er aber kein Potential im KFZ-Verkehr an sich sieht, wendet er sich nun den anderen Verkehrsteilnehmern zu. Aber als einziges Mittel fällt ihm laut seiner Pressemitteilung nur die Präventation durch Information ein.

Während die absolute Zahl getöteter Radfahrer außerorts leicht abnimmt, erkennt man innerorts eine Zunahme.


Die Präventation des ADAC setzt bei den Gefährdeten an

Ist es tatsächlich so, dass man nur die Bedrohten vor den Gefahren warnen sollte, nicht aber die Verursacher dafür sensibilisiern muss, welche Gefahr von ihnen ausgeht?


Zum Vorwurf machen wir dem ADAC an dieser Stelle, dass die Strategie nur auf Information, und darüber hinaus so ausgelegt zu sein scheint, dass die Verfolgung der Ziele nur die Altersgruppen Kinder, Jugendliche und Fahranfänger, sowie die Gruppe der Radfahrenden umfasst.


Es wirkt absurd, dass bis auf Fahranfänger, die Autofahrenden in der Strategie keinerlei Beachtung finden.
Ist es tatsächlich so, dass man nur die Bedrohten vor den Gefahren warnen sollte, nicht aber die Verursacher dafür sensibilisieren muss, welche Gefahr von ihnen ausgeht?


Gibt es mehr als Informationskampagnen?


Da der ADAC bereits Kampagnen zur Einführung von Abbiegeassistenten unterstützt, was er in der Pressemitteilung leider nicht erwähnt, hätten wir für die Strategie bis 2030 noch einen Vorschlag:
Wir würden es begrüßen, wenn der ADAC Präventation durch einfache Infrastruktur-Maßnahmen unterstützt.
Für solche Maßnahmen liegt besonders in Städten ein großes Potential für alle Verkehrsteilnehmenden, denn laut statistischem Bundesamt sind z.B. in 2017 rund 30% aller tödlichen Unfälle innerorts geschehen (Quelle: statistisches Bundesamt). Da wir vermuten, dass diese nicht nur auf mangelnde Verkehrserziehung von Kindern und Jugendlichen, sowie Fehlern von Fahranfängern und berauschten Radfahrenden zurückzuführen sind, sehen wir in Infrastrukturmaßnahmen deutlich mehr Möglichkeiten, als in reinen Informationskampagnen.


Der Effekt von Temporeduktion innerorts


Eine relativ einfache und kurzfristig umsetzbare Maßnahme, die wir zu den Infrastrukturmaßnahmen zählen, ist Tempo 30 innerorts. Wenn man einen Blick auf europäische Städte wirft, die mit Tempo 30 experimentieren, sieht man dort, dass die Anzahl der getöteten Verkehrsteilnehmer stark abnimmt. Eine Studie aus London nennt z.B. einen Wert von 30% (Quelle: BMJ).

Weniger tödliche Unfälle und geringere Schwere von Verletzungen bei Tempo-Reduktion


Reduzierung von Todesopfern ohne die KFZ in die Verantwortung zu nehmen?


Was uns an der Kurzbeschreibung der Strategie für das kommende Jahrzehnt in der Pressemitteilung des ADAC besonders aufstößt, ist das Gefühl, dass der ADAC anscheinend versucht, die Zahl der Todesopfer im Verkehr zu senken, ohne dass sich die KFZ-Fahrenden in irgendeiner Weise ändern oder bemühen müssen. Es scheint, das schnelle Vorankommen und die Bequemlichkeit des KFZ-Fahrenden stehen über dem gemeinsamen Interesse der Unversehrtheit der anderen Verkehrsteilnehmer. Vor dem Hintergrund der Beeinträchtigung der Gesundheit durch Lärmbelästigung sogar über der Unversehrtheit der Allgemeinheit.
In einer Studie des Jahres 2006 zeigte z.B. die Stadt Göteborg, dass mit Tempo 30 eine Lärmminderung von 5-10dB(a) einhergeht, und auch die Verkehrsbelastung durch eine Umverteilung der Verkehrsmittel deutlich abnahm (Quelle: Swedish Association of Local Authorities and Regions),
Hinzufügen möchten wir noch, dass eine simple Maßnahme wie Tempo 30 nicht nur die Zahl der Unfälle mit Todesfolge deutlich senkt, sondern die Zahl der Unfälle, und das damit einhergehende Leid im Allgemeinen
(Quelle: Swedish National Road and Transport Research Institute).


Wir wollen an dieser Stelle noch das Argument „Dann verteilt sich der Verkehr aber auf die Wohnquartiere“ vorwegnehmen – wir hätten da durchaus Ideen wie man Straßen für die Durchfahrt beschränken kann, ohne dass dies die Lebensqualität der Anwohner mindert.


Wenn alle involviert werden, wird es eine abgerundete Strategie


Wir finden es ist Zeit die Credos „die Technik wird es richten“ oder „Präventation schützt“ mit der Infrastruktur als Aspekt in zukünfitigen Betrachtung zu erweitern.
Wenn der ADAC also seine vorhandenen Punkte etwas erweitert, könnte das eine schlüssige Strategie für das kommende Jahrzehnt werden – mit Erfolgsgarantie.

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