Nachrichten aus Hamburg: Tor zur Welt zugeparkt

Hamburg (rdh) – Peter Hansen ist frustriert. Eigentlich wollte er nur mal raus, sich in der großen weiten Welt umsehen, jetzt hängt er schon am Start fest: Seit mehreren Tagen ist Hamburgs Tor zur Welt zugeparkt.

Seit seiner Geburt lebt er in Hamburg, ist stolz auf seine Stadt. Metropole des Nordens. Wissensstandort, Wirtschaftsstandort, Hafenstadt, Stadt mit den meisten Brücken, mit dem meisten Grün. Superlative an jeder Straßenecke, besonders beim Falschparken und zu schnell Fahren. Seine Augen leuchten bei seiner Aufzählung.

Ich war hier lange glücklich, aber in letzter Zeit fielen mir Entwicklungen auf, die mich nachdenklich machten. Der Fischgestank ist weg, stattdessen liegt überall eine feine Note von Kfz-Abgasen. Es sind langsam zu viele Autos in der Stadt und es werden immer mehr, dabei werden teilweise Parkplätze zurückgebaut. Wie Grotesk!

Peter Hansen wollte sich daher in der großen weiten Welt umsehen, wie die mit ihren Problemchen umgehen. Auch wenn alle Verantwortlichen der Stadt sagen, dass Hamburg so einzigartig ist, dass Lösungen anderer Metropolen nicht auf uns anwendbar sind, denkt Peter, dass man doch mal etwas über den Tellerrand gucken könnte, so zur Inspiration halt. Irgendetwas sagt ihm, dass nicht alles rund läuft, in der Stadt. Immer wieder las er von anderen Touristen-Metropolen und sah lachende und glückliche Gesichter ohne Feinstaubfilter vor Mund und Nase auf den Bildern der Werbeprospekte. Städte ohne Fahrverbote für Diesel. „Ich will nach Kopenhagen oder Amsterdam, um zu sehen wie die den Tourismus und motorisierten Individualverkehr unter einen Hut bekommen! Die sollen anscheinend Vorbild für glückliche Städte sein! Vielleicht gibt es da doch eine gewisse Inspiration“.

Als er dann gepackt hatte und mit seinem Auto loswollte, wurde er bereits an der Stadtgrenze jäh aufgehalten. Das Tor zur Welt war von einem SUV zugeparkt. Weit und breit war kein Besitzer zu sehen. Er rief bei der Polizei an, um nach Rat zu fragen. Die verwies ihn ans Ordnungsamt. Das hatte gerade Mittagspause, bis 18h. Als er dort endlich jemanden an die Strippe bekam, verwies man ihn zurück zur Polizei. Peter Hansen fühlte sich im Stich gelassen. Im Internet fand er eine Information, dass man die Polizei herausfordern könne, wenn man von unmittelbarer Gefahr für Personen berichtet. Also rief er nochmal bei der Polizei an, und tatsächlich – Minuten später erschien ein Einsatzwagen. Nachdem die Beamten die Situation gesichtet hatten, stellten sie einen Strafzettel aus und fuhren zurück zur Dienststelle. Peter Hansen konnte es nicht fassen. „Die Beschilderung vor Ort lässt ein Abschleppen nicht zu“, hatten die Beamten lapidar erklärt.
Inzwischen sind drei Tage vergangen. Der Besitzer des Autos kam sogar zwischendurch mal vorbei, mit seinem Rad. Er bat Peter Hansen um Verständnis, aber bei der prekären Parksituation in der Stadt würde er sein Auto nur in absoluten Notfällen bewegen – aus Angst keinen Parkplatz mehr zu bekommen.

Peter Hansen hofft nun über eine Anzeige im Hamburger Abendblatt einen Parkplatz für den Autobesitzer zu finden, den er ihm dann freihalten würde, bis der Zeit zum Umsetzen hat – man hat Nummern ausgetauscht. In Hamburg hilft man sich gegenseitig in der Parkplatznot.

Und während er so wartet, will ihm das Rad des SUV-Besitzers nicht aus dem Kopf. Irgendetwas ist damit. Es könnte eine Lösung sein, er kann die Idee aber noch nicht genau fassen..