Des Hamburger Radentscheid Gedanken zum Jahreswechsel:

Vom Verkehrsministerium und der Kfz-Lobby wird alljährlich der Rückgang der Unfalltoten im Straßenverkehr gefeiert. Dieser Rückgang betrifft aber eigentlich nur den Kfz-Verkehr, für zu Fuß gehende und Radfahrende sieht es nicht so gut aus: Die Anzahl der getöteten Radfahrenden steigt, die Abnahme der Menge der getöteten zu Fuß gehenden ist langfristig gesehen eher gering (Quelle: VCD Hintergrundpapier Verkehrstote). Außerdem wünschen wir uns den Fokus nicht nur auf der Zahl der Toten, sondern wir möchten allgemein ohne Unfall zum Ziel kommen. Deshalb wünschen wir uns Wege auf denen wir uns sicher fühlen, und auf denen die Möglichkeit für Unfälle jeglicher Art minimiert wird. Denn diese Zahl nimmt leider in den letzten Jahren weiter zu und verunsichert die zu Fuß gehenden und Radfahrenden.

Grenzen der „Sicherheit durch Technik“?

Anhand der Statistiken kann man inzwischen aber auch beim Kfz-Verkehr absehen, dass sich die Zahl der Unfalltoten in Zukunft eher auf einem Plateau fortsetzen wird. Nach 2011 und 2015 (Quelle: VCD Hintergrundpapier Verkehrstote) erwartet man auch für 2018 einen leichten Anstieg der Verkehrstoten (Quelle: Auto Motor Sport). Um weiterhin eine steigende Sicherheit verkaufen zu können, sollte die Auto-Lobby vielleicht langsam auch heimlich Infrastrukturmaßnahmen fördern und ihrer Technik zuschreiben 😉

Unwirksame vs. wirksame Maßnahmen für Sicherheit im Fuß -und Radverkehr

Unabhängig von der Diskussion um autonomes Fahren, das auch schon seine ersten Verkehrstoten zu beklagen hat, wollen wir die Diskussion weiterhin auf den nächsten Schritt in der Verkehrssicherheit lenken: der Sicherheit durch Infrastruktur. Denn für zu Fuß gehende und Radfahrende versuchen Verkehrsministerien und Polizei die Unfallzahlen derzeit durch Aktionen wie „Sichtbarkeit“ und „gegen Ablenkung“ zu erhöhen, Teile der Öffentlichkeit fordern oftmals eine Helmpflicht und Kennzeichenpflicht. Wird von Warnweste, Helm und Kennzeichen hier ein ähnlicher Effekt auf die Anzahl der Verkehrstoten erwartet, wie er durch die Einführung der Gurtpflicht beim Kfz deutlich zu Erkennen war?

Wir bezweifeln das und möchten das Augenmerk lieber auf Maßnahmen lenken, die kurz- und langfristig tatsächlich einen Effekt bringen werden. Passive Protektoren und Diskussionen um Regeltreue bringen uns im Verkehr kein Sicherheitsgefühl, sie vermitteln nur den Autofahrenden das Gefühl eines sorgenfreien Fahrens, als zu Fuß gehende und Radfahrende wirklich zu schützen. Maßnahmen die tatsächlich einen Effekt bringen werden, sind Infrastrukturelle Maßnahmen. Dazu zählen sichere und getrennte Fuß- und Radwege. Auch von einem Tempolimit mit 30 km/h innerorts würde die Verkehrssicherheit stark profitieren, wie Beispiele aus anderen europäischen Städten eindrucksvoll zeigen.

Der Radentscheid in 2018 und wie es in 2019 weiter geht

Um unseren Beitrag zu Eurer Verkehrssicherheit und zu einer Infrastruktur zu leisten, in der man auch zu Fuß und mit dem Rad gerne unterwegs ist, haben wir in 2018 unsere 12 Ziele für den Radentscheid fertig gestellt, die wir euch in den kommenden Tagen nach und nach vorstellen werden. Wir sind gespannt auf euer Feedback!

Richtig aufregend wird es dann im März 2019, wenn wir mit Unterschriftenlisten an die Öffentlichkeit treten werden, um mit der Volksinitiative den ersten Schritt zum Volksentscheid für ein Radgesetz für Hamburg in die Wege zu leiten.

Kommt gut ins neue Jahr und habt ein tolles 2019 auf dem Rad!