Interview des Monats – Juni

Wer bist du?

Hallo, ich bin Katharina und habe über einen Bericht in einer Hamburger Zeitung vom Radentscheid erfahren. Anschließend habe ich beim Friday for Future-Streik die Leute vom Radentscheid angetroffen.

Was waren deine Beweggründe, dich mit uns näher und mehr zu beschäftigen?

Ich bin nicht zufrieden mit der Radinfrastruktur in Hamburg. Der Ausbau der Radwege geschieht zu langsam und zu halbherzig. Es passieren zu viele teils sogar tödliche Unfälle mit Radfahrern. Statt breiter Radwege werden oft nur Schutzstreifen angelegt. In dieser Hinsicht bin ich von den Hamburger Grünen enttäuscht und finde es wichtig, bei der Politik Druck aufzubauen. Wir sind noch lange keine Fahrradstadt.

Außerdem habe ich einen vierjährigen Sohn, der bald Fahrrad fahren lernen wird. Ich möchte, dass er mal sicher auf dem Fahrrad zur Schule kommt. Momentan finde ich die Radwege bei uns in Eimsbüttel zu schmal, zu unsicher, zu wenig abgegrenzt vom allgemeinen Verkehr.

Aus dieser Unzufriedenheit heraus habe ich nach Initiativen in Hamburg gesucht, die sich für bessere Radwege einsetzen und bin auf den Radentscheid gestoßen.Die Forderungen des Radentscheids entsprechen insgesamt den Veränderungen, die ich mir in Bezug auf die Radwege wünsche.

Welches unserer Ziele findest du besonders wichtig?

Eigentlich alle, aber wenn ich mich für was entscheiden muss: sichere Kreuzungen, wegen der vielen tödlichen Abbiegeunfälle.

Welche Straße, Kreuzung etc. ist für dich der große Horror in HH?

Straße: 

An der Verbindungsbahn – Edmund Siemens-Allee: Es ist sehr unangenehm, auf diesem schmalen Radweg zu fahren, während die ganzen Lkws und Autoströme an einem vorbeibrettern. Aber eigentlich die einzige direkte Streck von uns Richtung Hauptbahnhof. Nach diesem Radweg bin ich immer so richtig gestresst vom Lärm und dem Engkontakt mit den Autos.

Kreuzung:

Kreuzung Weidenallee-Fruchtallee: Sie wurde gerade erst vor kurzem umgebaut mit einer Fahrradspur quer über die Kreuzung. Leider wird diese oft von Lkws blockiert, die an der Ampel warten und die Markierung nicht beachten.

Es ist ziemlich gefährlich, sich dann zwischen den Lkws durchzuschlängeln, aber irgendwie muss man ja aus der Kreuzung raus, bevor der Querverkehr grün hat…

Welche Straße, Kreuzung etc. findest du toll in HH?

Ich mag den Radweg entlang dem Kaifu-Kanal. Kein Auto weit und breit und alles schön grün. Nur die Ampelschaltung der kreuzenden Straßen müsste man dringend mal optimieren. Da stauen sich die Radfahrer immer. Entlang der Straßen hier bei uns in Eimsbüttel finde ich leider keinen einzigen Radweg optimal zu fahren.

Wie bist du zu dem Entschluss gekommen, uns beim Unterschriften-Sammeln zu helfen?

Veränderungen geschehen da, wo man selbst aktiv wird. Weil ich eine andere Radverkehrspolitik in Hamburg will, unterstütze ich den Radentscheid.

Wie sieht für dich eine lebenswerte Stadt aus?

Ich habe die Vision einer lebenswerten Stadt. Mit viel Raum für Rad- und Fußverkehr. Mit Kinderspielstraßen und ohne Verkehrslärm. Alle mehrspurigen Straßen wurden so umgebaut, dass mindestens eine Spur dem Radverkehr gehört, so dass Radfahrer komfortabel vorankommen. Die Gehwege sind durch das Verlagern der Radwege auf die Autospur ebenfalls breit und einladend. Wo früher Parkplätze waren, sind nun kleine Grünflächen, Sitzgelegenheiten, Spiel- und Sportgeräte. Der öffentliche Raum ist so attraktiv geworden, dass man sich gerne draußen trifft und Kinder entlang der Straßen spielen und nicht mehr nur an kleinen eingezäunten Spielplätzen. Jeder kann sich sicher fortbewegen. Die wenigen verbliebenen Elektro-Autos sind in der Minderheit und fahren mit Tempo 30.

Danke!