Stellungnahme zum „Zeit“-Artikel „Noch mal von vorn“

In Ihrem Artikel „Noch mal von vorn“ vom 29.04.2021 und im Elbvertiefungs-Newsletter vom 11.05.2021 berichtet die „Zeit-Hamburg“ über den Radwegausbau in Hamburg und erhebt dabei Vorwürfe gegen den Radentscheid. Leider enthält dieser sehr einseitige Artikel zahlreiche Fehler, die wir nun richtig stellen wollen:

  • An der Aussage „eine kleine Bürgerinitiative, die zu ihren besten Zeiten allenfalls 20 Engagierte zusammenbrachte“ ist alleine richtig, dass in unserem Gespräch mit der „Zeit“ die Zahl 20 fiel.
  • Selbstverständlich haben wir niemandem „gedroht“. Das wäre auch anmaßend.
  • Einfluss auf Regierungspolitik versuchen viele Interessensgruppen zu nehmen, namentlich Wirtschaftsvertreter aber auch Verbände wie z.B. ADAC und ADFC (das ist keine Kritik). Die Besonderheit unserer Gespräche mit den Senatsparteien bestand darin, dass sie auf einem gesetzlich geregelten Beteiligungsverfahren beruhten, das durch einen Mehrheitsbeschluss der Hamburgischen Bürgerschaft abgeschlossen wurde.
  • Soll es wirklich ein ernstgemeinter Vorwurf sein, dass wir darauf achten, dass ein Bürgerschaftsbeschluss, der durch unsere Mitarbeit zustande kam, auch umgesetzt wird?
  • Zu den Radstreifen in Mittellage: Gegenpositionen zur Meinung des UdV (ein Wirtschaftsforschungsinstitut) werden nicht genannt. Ausdrücklich haben wir die „Zeit“ auf die Studie der TU-Berlin hingewiesen, die feststellt, dass Jüngere und Senioren diese Radführungsform meiden: „In Konflikte involvierte Radfahrende sind zu 99 % der Altersgruppe der Erwachsenen zuzuordnen. Radfahrende Jugendliche waren mit deutlich unter einem Prozent ebenso selten in Konflikte involviert, wie Senioren auf dem Rad. Der geringe Anteil beider Altersgruppen im Rahmen der Konfliktanalyse kann dabei auch durch die geringe Zahl der RiM-nutzenden Radfahrenden in diesen Altersgruppen erklärt werden“.
    Zur weiteren Lektüre empfehlen wir die Informationen unseres Trägervereins Changing Cities und den Blog der Darmstädter Radentscheid-Aktivisten:
  • Es ist korrekt, dass der Radentscheid Hamburg als Volksinitiative keine Forderung zur Abschaffung der Radstreifen in Mittellage erhoben hat. Allerdings haben wir dort gar keine Abschaffungen bestehender Infrastruktur gefordert. Uns war es wichtig, nur konstruktive Vorschläge zu erheben, die konkrete, positive Veränderungen bewirken sollten. Wir bedauern es sehr, dass unsere eigentliche Forderung zu diesem Thema („Geschützte Kreuzungen nach niederländischem Muster“) von unseren Gesprächspartnern so vehement abgelehnt wurde.
  • Grundsätzlich gilt: Eine schnelle Umsetzung mangelhafter Radinfrastruktur hilft genauso wenig wie eine reine quantitative Bewertung des Radwegausbaus. Da ist es besser, für gute Radinfrastruktur etwas länger zu planen und dann gute Radwege zu erhalten, die das Ziel des Senats, den Radverkehrsanteil auf bis zu 30% zu heben, auch erreichen können.